12. Februar 2018

Woche der Stars: Interview mit Barbar Drucker


Hallo Zusammen, 
heute beim ihr erfahrt ihr mehr über die Autorin Barbara Drucker: 


Schnelle, pointierte Dialoge, spannende Handlung und knisternde Romantik zwischen starken Figuren – Barbara Drucker schreibt historische Thriller und unter ihrem Pseudonym B.D. Winter Gay Romantic Suspense. Sie hat eine Vorliebe für Dandys mit einem Hauch Exotik und für männliche Protagonisten, die sich nicht sofort in die Karten schauen lassen.

Sie wurde 1968 in Wien geboren, promovierte über Schiller, lehrte Literaturwissenschaft an der Universität Wien und unterstützt als Schreibcoach andere Autoren beim Erzählen fesselnder Geschichten. Mit "Der Schwur der Schlange" stand sie auf der Shortlist des Deutschen Selfpublishing-Preises. Sie lebt und schreibt in Wien.
Danke, dass du dir Zeit genommen hast für meine Fragen
Wie bist du zum Schreiben bekommen?
Ich bin hoffnungslos verliebt. In charismatische, männliche Protagonisten, in komplizierte Helden mit einem klaren Bekenntnis zu Größe, Ehre und Selbstbestimmung und in faszinierende Schurken. Dummerweise gibt es nicht allzu viele Bücher, die diese Kriterien erfüllen, und irgendwann ging mir der Lesestoff aus. Also griff ich selbst zur Feder, um mir solche Charaktere zu erschaffen.
Ich hatte immer schon die Ambition zu veröffentlichen, was mir mit meinen wissenschaftlichen Texten auch sehr früh gelang. Die Initialzündung für das Veröffentlichen belletristischer Texte gab mir ein Verlag, der mich um eine Geschichte für eine Karl-May-Fanfiction-Anthologie bat.

Wie kann man sich deine Recherche-Arbeit vorstellen?
Durch mein Studium und meinen früheren wissenschaftlichen Schwerpunkt verfüge ich über ein sehr gutes Wissen des späten 18. Jahrhunderts, das ist auch der Hauptgrund, warum ich meine historischen Romane in dieser Epoche ansiedle. Dadurch kann ich punktuell recherchieren, also bestimmte Personen, Schauplätze oder historische Ereignisse.
Bei den Schauplätzen greife ich auf persönliche Eindrücke zurück, so floss in meine Romane Weimar stark ein, ohne es zu benennen. Das Haus, in dem der Marchese im ersten Band wohnt, ist beispielsweise das Schillerhaus. Google Maps hilft mir bei der groben Orientierung, kann aber die Atmosphäre nicht vermitteln. Für die Straßburgszenen fragte ich daher meinen Grafiker aus, der kurz zuvor dort war, um ein Gefühl für den Schauplatz zu bekommen. In Wien, wo "Shark Temptations" spielt, ist das einfacher. Da fahre ich notfalls auch hin, um etwas zu überprüfen. Es ist erstaunlich, wie verzerrt die Erinnerung trotz allem sein kann.
Sehr genaue Recherche stelle ich bei Kostümen an. Ich arbeite mit Kostümlexikon, zeitgenössischen Bildern und Texten. Für Interieur besuche ich Schlösser, Museen und Bürgerhäuser aus der Zeit, aber auch das Internet.
Wenn es um historische Ereignisse, Personen oder bestimmte Details geht, ist meine erste Anlaufstelle das Internet. Die Herausforderung dabei ist, die Qualität einer Information einzuschätzen, Wikipedia oder Gute Frage können bestenfalls erste Anhaltspunkte geben. Was ich im Internet nicht herausfinde, suche ich in Fachbibliotheken oder ich befrage Experten.
Ich recherchiere übrigens parallel zum Schreiben der Rohfassung. Das wäre anders, wenn ich ein bestimmtes historisches Ereignis oder eine historische Figur zum Zentrum meines Romans machen würde. In dem Fall würde ich vorher Tonnen an gedruckter Fachliteratur wälzen.

Was ist dir am wichtigsten bei deinen Büchern?
Spannung und das ganz tiefe Eintauchen in die Geschichte. Ich will, dass die Leser das Buch nur widerwillig beiseitelegen und sich selbst in der Geschichte verlieren. Dass sie in eine Figur schlüpfen und mitspielen, bei einer Verfolgungsjagd oder Kampfszene selbst außer Atem kommen und bei einer Liebesszene verzückt seufzen und die Zärtlichkeiten am eigenen Leib spüren.

Abgesehen von der Geschichte ist mir ein hochwertiges Erscheinungsbild wichtig. Ein professionelles Cover und ein astreiner Buchsatz. Meine Bücher sollen sich von Verlagsbüchern nicht unterscheiden.

Hast du Beta-Leser? Wenn ja, wer ist das?
Mein Kernteam besteht aus zwei Leuten aus meiner Karl-May-Zeit. Der eine ist sehr kritisch, was Logik, Kampfszenen und Sachinformationen betrifft, die andere achtet besonders auf die Figurenpsychologie und den Infodump. Dann ziehe ich noch je nach Projekt wechselnde Testleser hinzu. Einzelne Szenen lasse ich von Experten gegenlesen, z. B. Reitszenen, Fechtszenen oder den Umgang mit Schusswaffen.

Inwieweit haben diese Einfluss auf deine Texte?
Da meine Beta-Leser auch gleichzeitig meine Alpha-Leser sind, versuchen sie Einfluss zu nehmen, doch da schiebe ich einen Riegel vor. Romane sind kein Wunschkonzert, sondern dramaturgisch sorgfältig aufgebaut, und wie meine Figuren denken oder handeln bestimme ausschließlich ich. Ich berücksichtige Hinweise auf sachliche Fehler oder Logikfehler, auf fehlende oder widersprüchliche Informationen und auf Durchhänger bei der Spannung. Und ich achte darauf, ob von mir beabsichtigte Effekte auch entsprechend wirken.
  
Hast du einen Lieblingsplatz zum Schreiben?
Meinen Schreibtisch mit freiem Blick ins Zimmer. Ich brauche zum Schreiben unbedingt einen festen Tisch und richte mir auch im Urlaub einen Schreibplatz ein. Und ich schreibe wahnsinnig gerne bei Kerzenlicht.

Was liest du selbst gerne? Was ist dein Lieblingsgenre?
Es muss spannend sein, einen ordentlichen Sog haben und mich fesseln. Am liebsten lese ich Thriller, die in der Hochfinanz oder im Anwaltsmilieu spielen, sehr gerne habe ich auch Spionageromane, Wirtschaftsthriller oder Romane, die im Kunst- und Kulturbereich angesiedelt sind. Ich liebe Heist-Movies, das sind solche, in denen ein gewagter Coup gemacht wird, wie z. B. "White Collar" oder "Die Thomas Crown Affäre". Leider ist das Heist-Genre bei Romanen noch nicht so etabliert, aber "Shark Temptations" hat diese Ausrichtung. Bei historischen Romanen bin ich extrem anspruchsvoll, vor allem nerven mich Histo-Romanzen, Mittelalterromane und unrealistische weibliche Heldinnen. Überhaupt ziehe ich männliche Protagonisten vor und momentan lese ich besonders gerne Gay Novels.

Macht dir das Schreiben immer Spaß?
Ich schreibe sehr gerne, aber Spaß kann es nicht immer machen. Besonders am Anfang, wenn eine Geschichte erst in Gang kommen muss, oder Brückenszenen sind extrem kräftezehrend, und wenn ich an einem Tag mit Müh und Not dreihundert Wörter schreibe, kann man das nicht lustvoll nennen. Oft ärgere ich mich, dass ich so langsam bin und nicht weiterkomme (was meistens mit meinem Perfektionismus zu tun hat), oder ich habe Angst, dass Leser eine Szene langweilig finden, weil sie mich schon bei Schreiben anödet (deshalb sind Überarbeitungen so wichtig). Was sich am leichtesten liest, ist oft mühsam geschrieben. Gute Actionszenen, Liebesszenen oder flotte Dialoge brauchen beim Lesen fünf Minuten und beim Schreiben einen ganzen Tag. Mindestens. Aber es gibt ja auch diese Flowmomente, wo ich alles um mich herum vergesse und einfach nur glücklich bin. Wo meine Finger gar nicht schnell genug über die Tastatur fliegen können. Doch die wirklich tollen Tage sind die, wo ich beim Schreiben gar nichts mehr sehe, weil mir die Tränen über die Wangen stürzen. Wenn ich voll in der Emotion drin bin.

Was sind deine nächsten Pläne?
Momentan schreibe ich am nächsten Band von "Shark Temptations", der vor dem Sommer erscheinen soll. Für November ist eine weitere Gay Novel geplant, es wird in Richtung Urban Fantasy und romantische Komödie oder Dramedy gehen. Ein oder zwei Kurzgeschichten für eine Anthologie schiebe ich möglicherweise dazwischen. Außerdem will ich am dritten Marchese-Band arbeiten, der braucht aber wesentlich mehr Zeit und muss leider hinter den kommerziell erfolgreicheren Gay Novels zurückstehen. Die Marchese-Reihe ist mein Herzensprojekt und soll einmal sechs oder sieben Bände umfassen, aber auch ich muss meine Miete zahlen.


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Mit dabei sind noch: 
08.02.2018 Noah Fitz bei Susanne von Bücher aus dem Feenbrunnen
09.02.2018 Valeska Reón bei Jeannette von Lüdis liebevolle Lese-Empfehlungen
10.02.2018 Clayton Husker bei Julia vom Büchersalat
11.02.2018 Farina de Waard bei Monika von Süchtig nach Büchern
12.02.2018 Barbara Drucker bei Astrid von Letannas Bücherblog
13.02.2018 Andreas Adlon bei Ania bei Buch_Versum
14.02.2018 Peter Buchenau bei Julia vom Büchersalat

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